Bahnhof Stromberger Neuhütte
Bahnhof Stromberger Neuhütte Hunsrück
in  km 18,2
liegt versteckt im Guldenbachtal zwischen den Ortschaften Seibersbach und Daxweiler am rechten Hang des Guldenbaches gelegen. Das Empfangsgebäude entspricht nicht dem üblichen Baumuster. Ist aber ähnlich wie Schweppenhausen und Schillingen. Beide Baumuster  EG finden sich an der Strecke Völklingen - Lebach.  Vor allem der Güterschuppen hat große Ähnlichkeit. Dabei beeindruckt auch die  Größe  des Güterschuppen. (Wo kam das Güteraufkommen hier her????) Für die 1920 bis 1950er Jahre sind Sonderzüge bekannt, die von Ingelheim zum Bahnhof Stromberger Neuhütte fuhren. Es  handelt sich, bei den umliegenden Wäldern, um den Ingelheimer Wald, der als Nah-  und Kindererholung genutzt wurde (Kinderheim).
Weiter siehe UNTEN Rechts
Bilder Strecke nach Rheinböllen Bilder Bahnhof bis 1999 Bilder Strecke nach Stromberg  mit Streckenbeschreibung
Bilder bis 1999 + Streckenbeschreibung Bilder DSL BilderModem/ISDN
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Bahnhof Stromberger Neuhütte
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Verladen wurde am Ladegleis Papier- und Grubenholz. Interessant war sicher die Beladung von Hunsrückbrot aus der Großbäckerei unterhalb des Bahnhofes. Sicher gab es bis in die 60iger Jahre einen Eilgutwagen der das Brot im Nachtsprung ins Rheinland brachte. Ein Anschluss der den Bahnhof in Fahrtrichtung Simmern rechts verlassen hatte, bestand bis in die 20iger Jahre. Er führte zur Eisengießerei unterhalb des Bahnhofs. Vorhanden sind noch der Bahndamm und die Guldenbachbrücke sowie einige Gebäude der Gießerei. 
In den 30iger Jahren erfolgte der Ausbau zum Militärbahnhof wie in Schweppenhausen. Gleis 1 Ladegleis mit Kopframpe und (vermutlich) kurzes Personenzuggleis (langer Bahnsteig vorhanden), Gleis 2-3  als Betriebsgleise. Gleis 4 ist in einem Plan von 1947 nicht mehr vorhanden aber die Telegrafenmaster machen es deutlich. Es diente dem Übergabeverkehr zur Eisengießerei bis in die 1920iger Jahre. Gleis 2 + 3 wurden 1945 gekürzt. In Richtung Rheinböllen sind noch heute die Fundamente eines Wärterstellwerks zu finden.  Ein Gleis zum Schuppen dürfte es ebenfalls bis 1945 gegeben haben. (Im Plan fehlt eine W3) Bis 1962 befand sich in Richtung Stromberg ein Ausfahrsignal C für Gl 3. Beide Einfahrten waren mit Einfahrsignalen  gesichert. Die Einfahrweiche von Stromberg befand sich bis 1963 in Höhe der Kopframpe. Ich vermute , dass bis zum Bau einer Blinklichtanlage 1960 der Bahnübergang in Km 18,0 durch eine fernbediente Schranke gesichert war. Auch ein Schrankenposten ist nicht auszuschließen, da das Gebäude am Bü ein Bahngebäude ist. Im Februar 1962 endete die örtliche Besetzung des Bahnhofs (Im Nahelandkalender 2005 wird vom 15.04.1962 berichtet) und die Jüdelhebelbank wurde bis auf  2 Weichen entfernt. Kreuzungen führte nun der Zugführer durch. (Zugleitbetrieb)  In den 1970igern wurden die Kreuzungsmöglichkeit nur selten benutzt. Für das Jahr 1970 ist nur eine Mittagskreuzung eines Personenzuges  und der Übergabe mit Köf  von Rheinböllen verzeichnet. Mitte der 1970er erfolgte dann die Verlegung der Zugkreuzung der beiden 18 Uhr Züge von Rheinböllen nach Stromberger Neuhütte. In den Jahren 1978 bis 1981 durfte ich das einige male Miterleben, was mir bis HEUTE in sagenhafter Erinnerung geblieben ist. Die Beleuchtung ging immer nur für die Züge an. Sobald der Kreuzungsspuk vorbei war, gingen alle Lichter wieder aus. Im Jahre 1981 endete dieses Abenteuer durch Auslegung der beiden Züge. Im Jahre 1982 erfolgte der Rückbau zur Haltestelle so wie der Zustand sich HEUTE noch zeigt.

Fast eine Katastrophe (aus Naheland-Kalender 2005 R. Weimer)
Folgendes wird Berichtet:
Gegen 14 Uhr macht sich in Stromberger Neuhütte ein Güterwagen mit Langholz selbstständig. Der Bahnhofsvorsteher Str Neuhütte meldet dies seinem Kollegen in Stromberg. Damals waren fast alle Weichen Handweichen und nur durch schnelles Handeln verhinderte der Vorsteher von Stromberg ein schweres Unglück . Der Wagen wurde von IHM ins Gleis 4 geleitet, das einen Prellbock hatte. Die Stämme flogen bis unter die Straßenbrücke und der Wagen soll sich 25 Meter ins Erdreich gebohrt haben. Auf Gleis 1 stand ein Personenzug in Richtung Schweppenhausen und laut Bericht war ein Personenzug aus Schweppenhausen unterwegs.
(kleine Anmerkung vom Webmaster: 1948 gab es keine Personenzugkreuzung in Stromberg. Die fand gegen 13:30 in Windesheim statt.  Wenn eine Zugkreuzung in Stromberg stattfand, musste der erste Zug nach Gleis 2 einfahren. Ein wartender Zug in Gleis 1, hätte den Zugang zum Gleis 2 versperrt.  Das es diesen Unfall gab, ist belegt. Er war wohl nicht so Traumatisch)      

Aktuelles "Rund um Stromberger Neuhütte" und der Hunsrückbahn
Im Forum für die Hunsrückbahn

Die Rheinböller Hütte
Die Eisengewinnung im Guldenbachtal ist auf das frühe Mittelalter zurückzuführen. Eisenerzvorkommen, das Wasser des Guldenbaches und der Holzreichtum des Soonwaldes zur Herstellung von Holzkohle waren die besten Voraussetzungen zur Eisenerzeugung.
Die Rheinböller Hütte wurde erstmals 1598 urkundlich erwähnt. Im dreißigjährigen Krieg von französischen Truppen verwüstet, übernahm 1715 der Hüttenmeister Martin Schmitt aus der Grafschaft Dierdorf im Westerwald die Hütte als Erblehen von Kurfürst und Pfalzgraf Johann Wilhelm.
Martin Schmitt war der Stiefvater von Johann Engelbert Utsch, der 1740 den Betrieb in Erbbestand übernahm. Damit wurde die Hütte zur „Utsche Hütt“, wie sie zum Teil noch im 20. Jahrhundert von der Bevölkerung genannt wurde. Ein Sohn Johann Engelberts, Friedrich Wilhelm Utsch, wurde der Nachfolger. Er war nicht nur Hüttenherr, sondern auch ein begeisterter Jäger. Er soll der berühmte „Jäger aus Kurpfalz“ gewesen sein. Er zog sich aus dem Betrieb zurück, als seine Tochter Margarethe den Kaufmann Carl Puricelli aus Meisenheim/Glan heiratete. Carl Puricelli, nun als Hütteningenieur bezeichnet, starb jedoch bereits 1805 mit nur 39 Jahren. Seine Frau Margarethe führte gemeinsam mit ihrem Bruder Carl Theodor Utsch den Hüttenbetrieb weiter und konnte ihn bedeutend erweitern und modernisieren und somit die Produktion steigern.
1810 wurde die Familie Utsch-Puricelli durch die neuen Besitzverhältnisse der französischen Revolution zum Alleineigentümer der Rheinböller Hütte. 1835 wurde ein zweiter Hochofen zur Roheisenerzeugung, zwei Kupolöfen zum Schmelzen von Gusseisen und ein Schlackenpochwerk in Betrieb genommen. 1841 folgte ein dritter Hochofen. Damit gehörte die Rheinböller Hütte zu den modernsten Hüttenbetrieben Deutschlands.
Doch schon bald machten sich die Standortnachteile im vorderen Hunsrück bemerkbar. Um neue Märkte zu erschließen und um die sinkende Produktion aufzufangen, engagierten sich die Söhne von Margarethe Puricelli im aufkommenden Gasgeschäft. Sie hatten 1836 die Gesamtgeschäfte von Mutter und Onkel übernommen. Sie lieferten z.B. Eisengussrohre und Laternen an Städte wie Trier, Mainz und Krefeld, wo sie eigene Gaswerke betrieben.
Die Puricellis waren es auch, die energisch auf einen Bahnanschluß drängten, der dann 1889 mit der Strecke von Langenlonsheim nach Simmern in Betrieb ging. Für den Wettbewerb der Hütte mit den großen Stahlwerken an Saar und Ruhr mit ihren Kohlevorkommen und höherwertigen Erzen kam der Bahnanschluß jedoch zu spät. 1893 mußte der letzte Hochofen stillgelegt werden. Roheisen wurde nun von außerhalb bezogen und in der Hütte weiterverarbeitet. Die Gaswerke mussten nach und nach verkauft werden, sie gingen in den Besitz der Städte über.
Im Jahre 1895 heiratete Olga Puricelli, die einzige Erbin der drei Puricelli-Brüder, den Hütteningenieur Nikolaus Kirsch aus Luxemburg. Nikolaus Kirsch-Puricelli stellte die Produktion nach und nach auf die Herstellung von Herden und Öfen und Spezialgussstücken um. 1912 erwarb er die Stromberger Neuhütte, die er jedoch 1932 stilllegte und anschließend abreißen ließ.
Sein Sohn Paul Kirsch-Puricelli führte ab 1936 das Werk und ließ es von 1950 bis 1954 nochmals umfassend modernisieren. Anschließend verpachtete er es an die Firma Meier und Weichelt. Als diese 1959 Konkurs anmelden musste, verlor Paul Kirsch-Puricelli einen beträchtlichen Teil seines Vermögens. Er verkaufte 1962 die Rheinböller Hütte an die Firma Hermann Wilhelmi, die 1965 das Werk an den Bremsenhersteller Alfred Teves GmbH ( heute ITT Automotive ) weiterveräußerte.

 Autor: Frank Thein  (Vielen Dank)

Quelle: Peter Bahn: Die Puricellis
            Klaus Freckmann: Die Unternehmerfamilie Puricelli

 

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Dienstag, Februar 07, 2012