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Die
Rheinböller Hütte
Die Eisengewinnung im Guldenbachtal ist auf das frühe Mittelalter
zurückzuführen. Eisenerzvorkommen, das Wasser des Guldenbaches und der
Holzreichtum des Soonwaldes zur Herstellung von Holzkohle waren die besten
Voraussetzungen zur Eisenerzeugung.
Die Rheinböller Hütte wurde erstmals 1598 urkundlich erwähnt. Im dreißigjährigen
Krieg von französischen Truppen verwüstet, übernahm 1715 der Hüttenmeister
Martin Schmitt aus der Grafschaft Dierdorf im Westerwald die Hütte als Erblehen
von Kurfürst und Pfalzgraf Johann Wilhelm.
Martin Schmitt war der Stiefvater von Johann Engelbert Utsch, der 1740 den
Betrieb in Erbbestand übernahm. Damit wurde die Hütte zur „Utsche Hütt“, wie sie
zum Teil noch im 20. Jahrhundert von der Bevölkerung genannt wurde. Ein Sohn
Johann Engelberts, Friedrich Wilhelm Utsch, wurde der Nachfolger. Er war nicht
nur Hüttenherr, sondern auch ein begeisterter Jäger. Er soll der berühmte „Jäger
aus Kurpfalz“ gewesen sein. Er zog sich aus dem Betrieb zurück, als seine
Tochter Margarethe den Kaufmann Carl Puricelli aus Meisenheim/Glan heiratete.
Carl Puricelli, nun als Hütteningenieur bezeichnet, starb jedoch bereits 1805
mit nur 39 Jahren. Seine Frau Margarethe führte gemeinsam mit ihrem Bruder Carl
Theodor Utsch den Hüttenbetrieb weiter und konnte ihn bedeutend erweitern und
modernisieren und somit die Produktion steigern.
1810 wurde die Familie Utsch-Puricelli durch die neuen Besitzverhältnisse der
französischen Revolution zum Alleineigentümer der Rheinböller Hütte. 1835 wurde
ein zweiter Hochofen zur Roheisenerzeugung, zwei Kupolöfen zum Schmelzen von
Gusseisen und ein Schlackenpochwerk in Betrieb genommen. 1841 folgte ein dritter
Hochofen. Damit gehörte die Rheinböller Hütte zu den modernsten Hüttenbetrieben
Deutschlands.
Doch schon bald machten sich die Standortnachteile im vorderen Hunsrück
bemerkbar. Um neue Märkte zu erschließen und um die sinkende Produktion
aufzufangen, engagierten sich die Söhne von Margarethe Puricelli im aufkommenden
Gasgeschäft. Sie hatten 1836 die Gesamtgeschäfte von Mutter und Onkel
übernommen. Sie lieferten z.B. Eisengussrohre und Laternen an Städte wie Trier,
Mainz und Krefeld, wo sie eigene Gaswerke betrieben.
Die Puricellis waren es auch, die energisch auf einen Bahnanschluß drängten, der
dann 1889 mit der Strecke von Langenlonsheim nach Simmern in Betrieb ging. Für
den Wettbewerb der Hütte mit den großen Stahlwerken an Saar und Ruhr mit ihren
Kohlevorkommen und höherwertigen Erzen kam der Bahnanschluß jedoch zu spät. 1893
mußte der letzte Hochofen stillgelegt werden. Roheisen wurde nun von außerhalb
bezogen und in der Hütte weiterverarbeitet. Die Gaswerke mussten nach und nach
verkauft werden, sie gingen in den Besitz der Städte über.
Im Jahre 1895 heiratete Olga Puricelli, die einzige Erbin der drei
Puricelli-Brüder, den Hütteningenieur Nikolaus Kirsch aus Luxemburg. Nikolaus
Kirsch-Puricelli stellte die Produktion nach und nach auf die Herstellung von
Herden und Öfen und Spezialgussstücken um. 1912 erwarb er die Stromberger
Neuhütte, die er jedoch 1932 stilllegte und anschließend abreißen ließ.
Sein Sohn Paul Kirsch-Puricelli führte ab 1936 das Werk und ließ es von 1950 bis
1954 nochmals umfassend modernisieren. Anschließend verpachtete er es an die
Firma Meier und Weichelt. Als diese 1959 Konkurs anmelden musste, verlor Paul
Kirsch-Puricelli einen beträchtlichen Teil seines Vermögens. Er verkaufte 1962
die Rheinböller Hütte an die Firma Hermann Wilhelmi, die 1965 das Werk an den
Bremsenhersteller Alfred Teves GmbH ( heute ITT Automotive ) weiterveräußerte.
Autor: Frank Thein
(Vielen Dank)
Quelle: Peter Bahn: Die
Puricellis
Klaus Freckmann: Die Unternehmerfamilie Puricelli |